Tagesanlage Ensdorf - Duhamel

  • Auftraggeber

    Projektgemeinschaft Gemeinde Ensdorf / RAG MI

  • Standort

    Ensdorf/Saar

  • Partner

    Schweitzer GmbH - Beratende Ingenieure

  • Vergabeart

    Mehrfachbeauftragung

  • Jahr

    2015

  • Ergebnis

    1. Preis

Tagesanlage Ensdorf - Duhamel

2015, 1. Preis

  • Projektdaten
    • Auftraggeber

      Projektgemeinschaft Gemeinde Ensdorf / RAG MI

    • Standort

      Ensdorf/Saar

    • Partner

      Schweitzer GmbH - Beratende Ingenieure

    • Vergabeart

      Mehrfachbeauftragung

    • Jahr

      2015

    • Ergebnis

      1. Preis

Ausgangslage

Im Saarlouiser Becken ist die Halde des Bergwerks Duhamel weithin sichtbare Landmarke. Sie überragt in ihrer Erscheinung in alle Richtungen den Horizont der natürlichen Hügel, die das aufgeweitete Saartal begrenzen. Dagegen ist die Tagesanlage an ihrem Fuße weitestgehend terra incognita im Bewusstsein derer, die nicht selbst direkt oder indirekt im Bergwerk beschäftigt waren. Erhebt man sich beim Anstieg auf die Halde über die Dächer der Siedlungsquartiere von Ensdorf und das wilde Gewerbegebiet im Saarlouiser Osten, so wird mit jedem Höhenmeter deutlicher, dass im sichtbaren Umfeld die bedeutendsten Industrie- und Gewerbestandorte in greifbarer Nähe liegen: Kraftwerk Ensdorf, Chemieplattform Karling, Industriegebiet Lisdorfer Berg, Dillinger Hütte, Fordwerke, um die wichtigsten zu nennen. Somit relativiert sich die Bedeutung der Flächen der Tagesanlage für die Entwicklung eines Gewerbestandortes, dessen Größendimension und Nutzungsdichte. Gleichzeitig wird aber klar, dass die zentrale Lage in guter Nachbarschaft mit hervorragender Erschließung die einzige Chance ist, am Standort Duhamel ein qualitatives Alleinstellungsmerkmal zu entwickeln, was sich in der Konkurrenz der Flächenangebote behaupten kann. Entscheidende Kriterien für eine prosperierende Standortentwicklung sind deshalb nicht Quantität und Dichte, sondern vielmehr die Chance zur wirtschaftlichen Vernetzung in der Nachbarschaft, die städtebaulich-qualitative Ausprägung des Standortes und die Identität des Ortes, die nicht zuletzt durch die denkmalgeschützten baulichen Relikte der Tagesanlage gegeben ist.

    städtebauliches Konzept

      Morphologie / Topografie

      Die Flächen der Tagesanlage entwickeln sich ausgehend von der Höhenlage B51 Alt über ca. 6 m nach Nord-Ost bis zur L 343. Dies entspricht einer gleichmäßigen Neigung von ca. 3 % in der Längsachse und begünstigt den Ausbau der Inneren Erschließung. Vom Kern der Anlage, der beim Förderturm anzusetzen ist, entwickelt sich ein Erdkeil mit gegenläufiger Neigung in Richtung Süd-West. Auf dem schollenförmigen Plateau ist die zentrale Rettungswache angesiedelt. Dieses bleibt als solches erhalten für die spätere Ansiedlung einer Sondernutzung und dient als Fläche für den zu entwickelnden Bergwerkspark. Als große Rampenfläche wäre das Plateau idealer Startpunkt für die Fußgängerbrücke Richtung Lisdorfer Aue und weiter nach Saarlouis.

      In Querrichtung, also von Nord-West nach Süd-Ost, bildet die Fläche der Gleisanlage eine räumliche Fuge zwischen den Hauptterrassen der Tagesanlage und dem Haldenfuß. Diese räumliche Fuge kann in dem vorliegenden Konzept erhalten bleiben oder, je nach Sanierungskonzept für die Haldenflanke, in Teilbereichen verfüllt werden.

      städtebauliches Modell und Schemaschnitt

      Phasierung

      Überlagert man die ansteigenden Höhenlinien mit potentiellen und real vorhandenen Erschließungsachsen, so bildet sich ein Gitternetz, welches ein naheliegendes Erschließungsraster vorzeichnet. Ausgehend von diesem Raster, welches sich vom Kern der Anlage nach Nord-Ost entwickelt, werden untenstehende Entwicklungsbereiche definiert und zu Nutzungsclustern zusammengefasst. Diese werden modular der Reihe nach ausgebaut und abschnittsweise nur soweit erschlossen, wie es der Ansiedlungsdruck erfordert. Nicht genutzte Flächen bleiben als extensive Interimsgrünflächen langfristig erhalten.

          Erschließung

          Mit dem Neubau des RAG- Verwaltungsgebäudes wird die erste Erschließungsachse ausgehend vom Ostring in den Kern der Anlage vorgetrieben. Damit ist der Nukleus für das Gesamtprojekt definiert. Neubau und hist. Gebäude werden mit der Leitungsinfrastruktur für zukünftige Nutzungen ausgestattet. Über die Achse der zentralen Plaza wird eine fußläufige Erschließung hergestellt. In den frühen Phasen der Projektentwicklung ist hier das Tor zur Anlage zu sehen, während der repräsentative Hauptzugang in späteren Phasen am heutigen Südtor im Umfeld des hist. Verwaltungsgebäudes verortet wird.

          Der Ostring soll von der B51 Alt bis zur Einbiegung in die L 343 als Stadtstraße klassifiziert und mit den notwendigen Ein- Ausfahrtmöglichkeiten ausgebaut werden. Im Feld der Kohlelagerflächen wird auf der Achse der vorhandenen Fahrbahn die neue innere Erschließung ausgebaut. In einer letzten Ausbauphase wird das Quartier „Startup- und Wohninseln“ mit einer eigenen Achse am Haldenfuß erschlossen. Erweiterungsflächen in Richtung Haldenfuß wären möglich.

          Um die vorhandenen Freizeitfunktionen der angrenzenden Wald- und Haldenflächen zu stützen, wird entlang der Grün- und Wasserachsen der Haldenrundweg, der sog. Loop geschlossen. Damit wird das Wegenetzt zu den Wohnquartieren von Ensdorf, zum Erholungsgebiet Lachwald und zum Interkommunalen Grünzug insgesamt ideal ergänzt. Ein schneller Fuß- und Radweg führt über aufgelassene Gleistrassen Richtung Ensdorf-Bahnhof. Die Fußgängerbrücke über Bahn, B51 und Saar wäre eine ideale Ergänzung, um Wege nach Saarlouis-Innenstadt zu verkürzen und an den Saar-Rad-Wanderweg anzuknüpfen. Dieser würde die Freizeitfunktion der Halde wiederum stützen. Jedoch ist das städtebauliche Konzept zur Entwicklung der Tagesanlage nicht abhängig von der Realisierung der Brücke.

              Der Entwurf setzt auf eine städtebaulich-architektonische Qualität im Quartier und Angemessenheit der baulichen Dichte im Kontext der angrenzenden Wohn- und Stadtquartiere. Zudem stellen die Vernetzung der übergeordneten Grünstrukturen und die Integration diverser Freizeitaktivitäten einen zentralen Baustein des Konzeptes dar, wie auch eine modulare Quartiersentwicklung in starker interkommunaler Zusammenarbeit.

              Der Nukleus des Areals, der historische Kern inkl. RAG-Neubau, wird durch eine zentrale Plaza erschlossen, an welche in Verlängerung der Haldenaufstieg anschließt. Im nördlichen Bereich des Planungsgebietes schaffen die Gewerbehöfe Duhamel eine angemessene Nutzungsdichte durch die wechselständige Stellung, die entstehenden freien Flächen können in Abhängigkeit der sich ansiedelnden Gewerbe entwickelt werden. Die stärker verdichtete Süd-westliche Wissenwerkstatt kann als Aus- und Weiterbildungscluster der Industrieunternehmen der Region etabliert werden, am dortigen Haupteingang zum Gelände fungiert das Torhaus als Anlaufpunkt und Brückenkopf mit Sondernutzung und Cafe am Bergwerkspark. Dieser stellt sich als öffentlicher Park mit extensiver Pflege dar; Rasenflächen und Großbäume, unter Einbeziehung vorhandener Baumgruppen, dienen als grüner Erholungsraum für Beschäftigte und Anwohner. Über das Wasserband und den Loop ist der Park mit der grünen Mitte bzw. den Campusterrassen verbunden, welcher als gliedernder Grünzug im Quartier ein wichtiger Baustein im interkommunalen Grünzug ist sein kann. Extensive Begrünung paart sich hier mit der naturnahen Wasserachse mit Zwischenstaus und fußläufige Wegeachsen vernetzen die Quartiere über den Park hinweg. Um die vorhandenen Freizeitfunktionen der angrenzenden Wald- und Haldenflächen zu stützen, wird entlang der Grün- und Wasserachsen der Haldenrundweg, der sog. Loop geschlossen. Damit wird das Wegenetzt zu den Wohnquartieren von Ensdorf, zum Erholungsgebiet Lachwald und zum Interkommunalen Grünzug insgesamt ideal ergänzt. Die Fußgängerbrücke über Bahn, B51 und Saar wäre eine ideale Ergänzung, um Wege nach Saarlouis-Innenstadt zu verkürzen und an den Saar-Rad-Wanderweg anzuknüpfen.