Becolin Saarbrücken

  • Auslober

    T.R.I.O. Projektentwicklungsgesellschaft mbH

  • Standort

    Saarbrücken

  • Partner

    arus GmbH | Willi Latz Architektur & Stadtplanung; Schweitzer GmbH -Beratende Ingenieure

  • Verfahren

    Mehrfachbeauftragung

  • Jahr

    2016

  • Ergebnis

    1. Preis

Becolin Saarbrücken

2016, 1. Preis

  • Projektdaten
    • Auslober

      T.R.I.O. Projektentwicklungsgesellschaft mbH

    • Standort

      Saarbrücken

    • Partner

      arus GmbH | Willi Latz Architektur & Stadtplanung; Schweitzer GmbH -Beratende Ingenieure

    • Verfahren

      Mehrfachbeauftragung

    • Jahr

      2016

    • Ergebnis

      1. Preis

Die aufgegebenen Gewerbeflächen der Firmen Becolin und Linde an der Mainzer Straße, nahe dem Römerkastell in Saarbrücken, sollen einer Nachnutzung zugeführt werden. Ziel des Verfahrens war der Entwurf eines städtebaulichen Konzeptes zur Entwicklung des Areals mit den Nutzungssegmenten Büro und Dienstleistung, Gewerbe und Einzelhandel. Darüber hinaus sollte im Rahmen der Mehrfachbeauftragung die Integration des sog. „Musikzentrum-Saar“ geprüft werden. Das Stadtquartier westlich Heinrich-Böcking-Straße zeigt im Schwarzplan eine intakte Stadtstruktur mit guten Blockgrößen, die eine strukturelle Vorgabe für die Neugliederung des Becolin-Areals sein können. Die dazwischen liegenden Areale mit teilweise mindergenutzten Grundstücken können sich mittel- bis langfristig in diese Struktur eingliedern. Das Becolin-Areal wird in der ansonsten gewerblichen Umgebung Ankerpunkt und Maßstab für die Stadtentwicklung von St. Johann in östlicher Richtung.

Das nahegelegene Römerkastell bietet die Chance der inhaltlichen Thematisierung durch Namensgebung und einen möglichen architektonischen Duktus, der sich in abstrakter Weise in der stadträumlichen Struktur und in einer gemeinsamen Verständigung z.B. über die Ausgestaltung der Sockelgeschosse ausdrücken kann, selbst wenn Baukörper nicht synchron und von unterschiedlichen Architekten erstellt werden bzw. unterschiedliche Nutzungen beherbergen. Der Kaninchenberg stellt als Topos in der Stadtstruktur Saarbrückens eine axiale Beziehung zum Barocken Dreieck Altsaarbrücken / St. Johann her.

Städtebau & Freifläche & Erschließung

Die räumliche Öffnung aus dem Becolin-Areal zur Mainzer Straße hin eröffnet den visuellen Bezug zum Kaninchenberg als grünem Horizont. Die gewählte Grundstruktur würdigt diesen perspektivischen Blickbezug. Die quer verlaufenden Straßenachsen im Quartier bieten flexible Andockpunkte gen Westen: Eine Sequenz von Pocketparks, die zunächst die Straßen räumlich abschließen, könnten sich nach Westen über die Grenze in neu zu entwickelnde Quartiere spiegeln oder zugunsten der Öffnung von Straßenachsen umgebaut werden. Im weiteren Verlauf bieten die Straßen im System der über Schlaufen geführten Einbahnregelung Parkraum (einseitiges Längsparken) für Besucher mit Sonderrechten. Der Ausbau ist niveaugleich, der ablaufende Verkehr wird über lineare Gliederungselemente geleitet. Nach Südosten schließen vertikale Gärten an erdgeschosshohen Wänden die Straßenräume ab. Die Innenhöfe der Baublöcke bieten unterschiedliche Funktionen und Qualitäten: erdgeschossige Höfe dienen vorrangig der Erschließung für Ver- und Entsorgung. Ein- und zweigeschossige Dachterrassen sind gestalteter Blickfang und schnell erreichbare Pausenräume für die Beschäftigten. Einsehbare Dachflächen werden als fünfte Fassade begrünt.

    Vor der Fassade des Becolin-Gebäudes spiegelt sich in Höhe der Fassade ein dem Denkmal gerechter offener Platz mit Nutzungsmöglichkeiten für die Außengastronomie und gleichzeitig als repräsentativer Versammlungsplatz vor dem Musikzentrum. Der Teppich des Belages zieht sich durch die stützenbetonte Fassade bis in das Foyer des Musikzentrums und stellt durch die transparente Fassade einen fließenden Innen- Außenbezug her. Baumblöcke definieren die Raumkanten des Platzes, der als Zentrum des Quartiers und in Anlehnung an die Thematik des Römerkastells Forum genannt wird. Zur Mainzer Straße und zum Kaninchenberg öffnet sich der Raum und zieht Blicke und Besucher in das Quartier. Ein Fontänenfeld wird hier den von der Mainzer Straße kommenden Verkehrslärm ausfiltern. Nach Südwesten verringert sich der Straßenquerschnitt deutlich zu einer Erschließungsstraße, die zum Lyonerring anknüpft.

    Das Ensemble wird in Struktur, Funktion und Ästhetik der wachsenden Bedeutung des Standortes im städtischen Kontext gerecht. Der Entwurf versteht sich als Grundlage für einen qualitätsvollen neuen Stadtbaustein, der innerhalb einer gewachsenen Verflechtung neue Ordnung stiftet und durch Nachverdichtung ehemals ungenutzter Flächen vorhandene, innerstädtische Entwicklungspotentiale ausschöpft.

         
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