- Auftraggeber
Stadt Völklingen
- Standort
Völklingen
- Planungsumgriff
8.200 m²
- Partner
Hepp + Zenner Architekten, Saarbrücken; Horst Reinsdorf, freischaffender Künstler, Völklingen
- Projektstart
2013
- Fertigstellung
2020
- Leistung
Objektplanung Lph 2-9
Evangelische Versöhnungskirche Völklingen
Neugestaltung des Kirchenumfeldes
- Projektdaten
- Auftraggeber
Stadt Völklingen
- Standort
Völklingen
- Planungsumgriff
8.200 m²
- Partner
Hepp + Zenner Architekten, Saarbrücken; Horst Reinsdorf, freischaffender Künstler, Völklingen
- Projektstart
2013
- Fertigstellung
2020
- Leistung
Objektplanung Lph 2-9
- Auftraggeber
2. Bauabschnitt
AUSGANGSSITUATION
Die evangelische Versöhnungskirche in Völklingen ist ein bedeutendes Kulturdenkmal und spielt als religiöses, historisches und architektonisches Zentrum eine wichtige Rolle im städtischen Gefüge. Dennoch war das unmittelbare Umfeld der Kirche lange Zeit geprägt von gestalterischer Uneinheitlichkeit, funktionalen Defiziten und fehlender Aufenthaltsqualität.
Insbesondere die Freifläche entlang der Poststraße wirkte wenig einladend: Die Wegeführung war unklar, die Oberflächenbeläge uneben oder sanierungsbedürftig, und es fehlten sowohl grüne Strukturen als auch Sitzgelegenheiten für die Öffentlichkeit. Die Barrierefreiheit war nicht überall gegeben, was die Zugänglichkeit für ältere Menschen oder Personen mit Mobilitätseinschränkungen zusätzlich erschwerte.
Mit dem Ziel, die städtebauliche Situation zu verbessern, die Kirche als Ort der Begegnung stärker ins Zentrum zu rücken und den Anforderungen an einen zeitgemäßen öffentlichen Raum gerecht zu werden, wurde das Projekt zur Umfeldgestaltung ins Leben gerufen.
IDEENFINDUNG UND PLANUNG
Die Planung des zweiten Bauabschnitts erfolgte als Teil eines umfassenden Gesamtkonzepts zur Aufwertung des Kirchenumfeldes. In einem kooperativen Planungsprozess wurden zahlreiche Anforderungen und Interessen zusammengebracht: die städtebauliche Bedeutung der Kirche, denkmalpflegerische Auflagen, funktionale Anforderungen (wie Barrierefreiheit und Erschließung) sowie ästhetische und ökologische Aspekte.
Die Stadt Völklingen als Bauherrin arbeitete hierzu eng mit Planungsbüros, Landschaftsarchitekten, Denkmalpflege, Kirche und Bürgerschaft zusammen. Die Konzeptentwicklung basierte auf präzisen Bestandsaufnahmen, Beteiligungsrunden sowie fachtechnischen Gutachten – u. a. ein geotechnischer Bericht, eine statische Voruntersuchung für die Pergola und eine denkmalrechtliche Genehmigung.
Die Planunterlagen umfassten u. a. detaillierte Lagepläne, Schnittzeichnungen, Angaben zu Versorgungsmedien, Regeldetails zum Tiefbau, Gestaltung von Rasentrapezanlagen sowie eine lichttechnische Berechnung für die neue Beleuchtung.
BAUZEIT
Die Bauausführung erfolgte unter Berücksichtigung denkmalrechtlicher Auflagen sowie unter Anwendung aktueller Standards im Tiefbau und der Stadtmöblierung.
- Neustrukturierung der Wegeverbindungen mit hochwertigen Pflasterbelägen zur Verbesserung der Orientierung und Erschließung,
- Einbau barrierefreier Übergänge für eine inklusive Nutzung,
- Integration von Rasentrapezanlagen, die das Gelände in sanfter Terrassierung gliedern und als grüne Aufenthalts- oder Veranstaltungsflächen dienen,
- Errichtung einer Pergola als gestalterisches Highlight und Ort der Ruhe oder Begegnung,
- Erneuerung der Versorgungsleitungen unter Berücksichtigung moderner Infrastrukturstandards,
- Anlage neuer Grünflächen mit klimaresilienter Bepflanzung und ökologisch wertvoller Gestaltung,
- sowie Einbau einer zeitgemäßen Beleuchtungsanlage, die sowohl funktional als auch atmosphärisch wirkt.
Sämtliche Arbeiten wurden unter Rücksichtnahme auf den denkmalgeschützten Bestand und in enger Abstimmung mit der Denkmalbehörde durchgeführt.
REALISIERTES PROJEKT
Nach Abschluss des zweiten Bauabschnitts präsentiert sich die Freifläche an der Poststraße als modernes, nutzungsfreundliches und gestalterisch hochwertiges Areal. Die ehemals funktionale Zwischenfläche ist nun ein Ort mit Aufenthaltsqualität, der zum Verweilen, Begegnen und Innehalten einlädt.
Die neuen Wege schaffen klare Verbindungen, die Pergola bietet einen überdachten Ruhepunkt, und die Rasentrapezanlagen schaffen durch ihre Formgebung eine spannende topografische Gliederung, die sowohl spielerisch als auch funktional nutzbar ist. Die integrierte Beleuchtung setzt die Kirche in den Abendstunden atmosphärisch in Szene und erhöht zugleich das Sicherheitsgefühl der Nutzerinnen und Nutzer.
Die neugestaltete Freifläche ist heute ein wichtiges Bindeglied zwischen Kirche, Stadtgesellschaft und öffentlichem Raum – sie lädt Gemeindemitglieder ebenso wie Passantinnen und Passanten zum Verweilen und Begegnen ein.
FAZIT
Mit der Umsetzung des zweiten Bauabschnitts wurde ein bedeutender Schritt zur nachhaltigen Aufwertung des kirchlichen Umfelds getan. Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie historische Orte in moderne Stadtstrukturen integriert werden können, ohne ihre Identität zu verlieren.
Die gestalterische Qualität, die funktionale Verbesserung und der respektvolle Umgang mit der denkmalgeschützten Bausubstanz machen das Projekt zu einem gelungenen Beispiel für städtische Freiraumgestaltung im kirchlichen Kontext.
Die Stadt Völklingen, die beteiligten Planungsbüros, die Kirche und alle weiteren Partner haben gemeinsam einen Ort geschaffen, der nicht nur schöner aussieht, sondern auch die Lebensqualität vor Ort nachhaltig verbessert.
Die umfassende Neuordnung des Umfeldes der Evangelischen Versöhnungskirche basiert auf der Bereitschaft der Kirchengemeinde, sich von Teilen ihres Gebäudebestandes und Freiflächen im Plangebiet zu trennen, um einer schlüssigen wie zukunftsweisenden Entwicklungskonzeption die erforderliche Grundlage zu geben. Die Planung beabsichtigt in ihrer übergreifenden Zielstellung die Raumabfolge zum Kirchenbauwerk inklusive des Vorfeldes in Wert zu setzen, es damit im öffentlichen Raum stärker zu positionieren und als das stadtbildprägende Bauwerk hervorzuheben. Als erster Bauabschnitt wurde der „Platz der Versöhnung“, der historische Cour d’honneur, 2016 neugestaltet. Durch die Verlagerung und Ergänzung von Gebäude- und Freiflächennutzungen im direkten Umfeld der Kirche kann einer funktionalen Belebung im Sinne eines attraktiven und vitalen Stadtquartiers in besonderer Weise Rechnung getragen werden.
Entwurfsvisualisierungen

Historischer Plan, Franz Sales Kuhn

Gemälde, A. Hacker
HISTORIE
Die Versöhnungskirche wurde von 1926 bis 1928 nach Plänen des Heidelberger Architekten Franz Sales Kuhn erbaut. Der breitgelagerte Sakralbau entstand als neobarocker Querhaussaal in Anlehnung an formale Details der barocken Ludwigskirche in Saarbrücken. Im Entwurf der Freiflächen wird die Vorlage der historischen Planungen zur Kirche und deren kompakten Nachbarbebauung aufgegriffen und räumlich neu interpretiert. Der Entwurf wird in entscheidendem Maß durch eine spannungsvolle wie harmonische Raumabfolge von Post- bis Moltkestraße geprägt. In diesem neu entwickelten Kontext erhält der zentrale Kirchenbau mit seiner herausragenden Stellung im Stadtbild eine besondere Aufwertung.

Vorplatz im Bestand, 2013
MAUERSANIERUNG
Eine besondere Herausforderung bestand in der Sanierung der rund 4 m hohen, den „Platz der Versöhnung“ fassenden Maueranlagen. In enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Beratung durch das Institut für Steinkonservierung e. V. in Mainz konnten historische Putzflächen erhalten sowie durch Witterungseinflüsse stark geschädigte Flächen abgetragen und nach historischem Vorbild rekonstruiert werden.

Entwurfsskizzen, Quelle: Horst Reinsdorf, Freischaffender Künstler, Völklingen
Fertigung und Einbau der Skulpturen
SKULPTUREN
Im Rahmen der Umsetzung konnte der ortsansässige freischaffende Künstler Horst Reinsdorf zur künstlerischen Gestaltung des „Platzes der Versöhnung“ gewonnen werden. Unter dem Leitthema „Begegnung“ entwickelte der Künstler drei Skulpturengruppen. Die rund 3 m hohen Stahlsilhouetten begleiten Passanten auf ihrem Weg und schaffen einen künstlerischen Mehrwert für den öffentlichen Raum.














































